Pian Taiöi

Eckdaten

Von Pesciüm (Airolo) zum Lago Tremorgio (Rodi)

 

Marschzeit 3h30min

 

Karte/n 1:50'000 T266

 

Kategorie: Leichte Bergwanderung

 

Ausrüstung: Wanderschuhe, Wanderstöcke empfohlen

Route

Airolo spielte schon immer eine ganz besondere Rolle in der Leventina. Zum einen ist es Ausgangspunkt für die einzige direkte Verbindung ins Wallis, zum anderen „Talstation“ des bedeutendsten Übergangs über die Alpen. Während des Zweiten Weltkrieges beherbergte Airolo in seiner Umgebung bedeutende Truppenkontingente, welche den Zutritt eines fremden Heeres zum berühmten Réduit verhindern sollten.

 

Ich treibe es nicht so kämpferisch, ich fahre mit der Seilbahn hinauf zur Mittelstation Pesciüm, Unter den Seilen der weiter führenden Sektion hindurch nehme ich den sanften Aufstieg zu zwei weiteren Talstationen bei der Alpe di Ravina in Angriff. Dort schwenke ich nach links und folge dem Weg durch den schattigen Wald zur Alpe Nuova und überquere anschliessend den wilden Bach Calcascia auf 1464müM.

 

Jenseits des tief eingeschnittenen Bachlaufes steige ich dem Wasser entgegen, um nach einer spitzen Kehre die Pian Taiöi zu erreichen. Ich befinde mich nun etwa auf der Höhe von Piotta mit dem bekannten Eishockeyclub und erkenne auf der anderen Talseite die Druckrohre des Kraftwerks und daneben die steile Seilbahn zum Stausee.

 

Gemächlich führt der Weg abwärts durch den ausgedehnten Wald und trifft auf den Bach mit dem eher widersprüchlichen Namen Ri Secco - Trockener Bach. Vielleicht ist er eine Art Wadi, das nicht immer Wasser führt? Auf der östlichen Seite dieser Rinne begegne ich den verstreuten Hütten und Häusern von Cassin bevor ich mich auf den nächsten Aufstieg gefasst machen muss. Die Pian Mott bringt es auf fast 200 Meter mehr, als die Siedlung, aber den absoluten Höhepunkt habe ich erst kurz vor dem fast kreisrunden Lago Tremorgio geschafft: 2041müM.

 

 

Nach der Kante des Brusada geht‘s aber wirklich bergab. In drei weiten Spitzkehren steige ich hinunter zum bereits sichtbaren See, von dem eine Druckleitung Wasser hinab nach Rodi leitet, wo daraus Strom erzeugt wird. Das Restaurant und die Seilbahnstation entdecke ich aber erst auf dem Uferweg, und das ist gut so! Eine alte Wanderweisheit besagt, dass einem die Füsse weh tun, sobald man das Ziel erblickt.

Forte Airolo

Wie sehnten wir uns früher als Kinder in der dritten Bahn-Klasse auf den Moment, wo der Zug endlich nach einer langen Viertelstunde wieder das Licht der Welt erblickte - und zwar das Licht des Südens! Im Gegensatz zum finsteren Loch, in dem der Geruch nach heiss laufenden Bremsen dominierte, konnte man in der Leventina wieder frei atmen und sehen, wohin die Reise ging.

 

Wir hatten in Airolo einen Onkel, der bei der Festung angestellt war. Nur allzu gerne wären wir einmal - auch nur ganz kurz - hinauf gefahren, um einen Blick zu riskieren. Aber die stereotype Antwort „Das ist geheim“ musste uns genügen. Wieso und warum erfuhren wir damals nicht. Ich hätte auch nicht im Traum daran gedacht, dass ich dereinst selber einmal Dienst tun würde in so einem Felsenloch!

 

Airolo gehörte mit Andermatt, Sargans und Martigny zu den bekannten Festungen, wenigstens dem Namen nach. Und wer sich im Internet umschaut unter „Festung Schweiz“ erfährt heute recht viel über die damaligen Befestigungsanlagen. Bereits in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts wurde bei Airolo eine Verteidigungsanlage errichtet, die dank ihrer Abdeckung mit dicken Grantiplatten und ihrer Bewaffnung mit Zwillingsgeschütz und Kugelmörser als modernste ihrer Art in Europa galt.

 

Erst später entstanden unterirdische Verbindungsstollen zum Eingang des Eisenbahntunnels und die Erweiterungen auf dem Foppahügel. Weitere Aussenanlagen in der Umgebung dienten dem Schutz des grossen Forte Airolo. Erst im Jahre 1947 wurden die Anlagen aus dem Dienst entlassen und als Kampfanlagen aufgehoben. Der Trakt mit den Unterkünften wird jedoch noch heute als Kaserne genutzt, während der Kampftrakt als Museum besichtigt werden kann.

 

Das dreigeschossige Werk mit Kampf- und Unterkunftstrakt sowie den Flankiergalerien wurde vom Bündner Daniel von Salis geplant. Er stand zu jener Zeit in österreichisch-ungarischen Diensten und bekleidete den Grad eines Generalinspektors. Der besonders harte Granit für die meterdicke Überdeckung der Anlage wurde aus der Gegend von Faido her geschleppt.

 

Auf der Fahrt mit der Seilbahn hinauf nach Pesciüm erkennen wir die Bauten etwas westlich von Airolo am Gegenhang bei der ersten engen Kurve der neuen Gotthardstrasse sehr gut.

Routenprofil

Langer Weg zu einem kreisrunden See
Enthält alle obigen Informationen
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Das Wetter auf der Route