Stabiello Grande

Eckdaten

Von Fontana (Bedretto) nach Ronco

 

Marschzeit 3h30min

 

Karte/n 1:50'000 T265

 

Kategorie: Leichte Bergwanderung

 

Ausrüstung: Wanderschuhe, Wanderstöcke

Route

Der Weg von Airolo zum Nufenenpass führt durch das Bedrettotal, ein reger Verkehr herrscht hier also nicht. So kämpfen auch die Dörfer - und in diesen vorallem die Gastrobetriebe - hart um das nackte Überleben.

 

Fontana ist das vorderste Dörfchen hinter Airolo mit kaum mehr als fünfzig Einwohnern. Hier verlasse ich das Postauto und folge den gelben Wegweisern auf der Südseite des Tales sachte aufwärts. Oberhalb von Tre Croci wechsle ich auf den weiss-rot-weissen Weg und gewinne durch den Bosco di Ossasco schnell an Höhe.

 

Nach der Überquerung des Ri di Cristallina schwenkt der Weg nach Süden und klettert in etlichen Kehren und Schlenkern hinauf zur Alpe di Cristallina. Inzwischen sind wir den Felsen um Etliches näher gekommen, aber nach einer Verschnaufpause nehme ich den Weg auf dem Alpsträsschen hinüber zum Stabiello Grande auf fast gleicher Höhe. Er folgt mehr oder weniger der Baumgrenze.

 

Die Gegend ist traumhaft. und an einigen Stellen bieten sich mir reife Heidelbeeren an. Ich fürchte, mit dieser blauen Zunge kann ich nicht mehr unter die Leute. Aber vorläufig hat’s auch keine Leute da. Dafür bestaune ich die hohen Gipfel des Gotthard-Masivs vom Pizzo Rotondo über den Pizzo Lucendro bis zum Gotthardpass.

 

Unterdessen habe ich den höchsten Punkt der Tour bei Folcra di Mezzo erreicht, und es folgen weitere Abzweigungen, über welche ich die Wanderung problemlos abkürzen könnte. Denn das Postauto bedient Haltestellen in Ossaco, Villa Bedretto und Bedretto, aber ich möchte erst bei der Alpe di Valleggia den Abstieg unter die Füsse nehmen.

 

 

Also ziehe ich nach dem Ri di Folcra noch einen Kilometer weiter und erreiche dann den nächsten Wildbach. Ein schmaler Pfad windet sich in der Falllinie hinunter zum Talboden. Ich bevorzuge jedoch den etwas weiteren Weg und mache eine weite Kehre, um über Selva und Mott, zwei winzige Siedlungen über dem Ticino, hinab zu steigen. Wenige Meter neben meiner Ankunft bei der Strasse, zweigt die Zufahrt zum malerischen Dörfchen Ronco ab, wo der Bus bei der Kapelle auf mich wartet.

Der Nufenenpass

Der höchste Alpenpass mit einer Scheitelhöhe von 2480müM, der komplett auf Schweizer Hoheitsgebiet liegt, ist der Nufenenpass. Er verbindet den Tessin von Airolo durch das Bedrettotal mit dem Wallis bei Ulrichen im Goms.

 

Die Strasse wurde in den Sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts gebaut, weil der Kanton Tessin nicht an die Furkabahn angeschlossen werden konnte. Auf diese Weise ist das Bedrettotal von zwei Seiten erreichbar. Der einst versprochene Anschluss an den Furka-Basistunnel wurde wegen der ohnehin schon massiven Kostenüberschreitung nicht realisiert.

 

Eine Lokomotive der damaligen Furka-Oberalp-Bahn (FO) wurde zu Ehren des Nufenenpasses und anlässlich dessen Eröffnung auf den wohlklingenden Namen Novena getauft. Das ist die italienische Bezeichnung für Nufenen.

 

Das Bedrettotal fristet seit längerer Zeit ein äusserst schwieriges Dasein. Wirtschaftlich kann es kaum etwas bieten, touristisch ist es ebenfalls ein fast weisser Fleck auf der Karte. Nicht einmal für die Armee war der Oberlauf des Ticino besonders interessant. Es war nie zu befürchten, dass sich irgendwelche fremde Truppen hierhin verirren könnten. Die Nufenenstrasse, als Trostpflaster für den entgangenen Bahnanschluss gedacht, hat jedoch keine Trendwende der anhaltenden Abwanderung herbei führen können.

 

 

Im Gegensatz dazu hatte Ulrichen, wo der Nufenen auf die Rhône trifft, die hier zwar noch deutsch Rotten heisst, bis vor wenigen Jahren noch einen Militärflugplatz. Dieser wurde errichtet, um während des Zweiten Weltkrieges das Reduit, das befestigte Rückzugsgebiet der Schweizer Armee, zu schützen und zu verteidigen. Deshalb finden wir im Wallis ganz viele solcher Flugfelder, der nächste bei Münster ist nicht einmal 3km von Ulrichen entfernt. Zudem gibt es im Tal auch eine ganze Reihe von Ausbildungsplätzen der Gebirgs- und anderer Truppen. Offensichtlich wurde die Gefahr eines Angriffs über oder durch den Susten viel höher bewertet. Schliesslich war diese Verbindung auch die kürzeste zwischen dem eroberten Frankreich und dem befreundeten Italien.

Routenprofil

Das obere Bedretto ist trotz guter Strasse sehr abgelegen
Enthält alle obigen Informationen
TN17 Download.pdf
Adobe Acrobat Dokument 428.7 KB

Das Wetter auf der Route