Lostallo

Eckdaten

Von Lostallo nach Soazza (Mesocco)

 

Marschzeit 2h30min

 

Karte/n 1:50'000 T277

 

Kategorie: Leichte Bergwanderung

 

Ausrüstung: Wanderschuhe, ev. Stöcke

Route

Moësa heisst der Fluss, welcher begleitet von der berühmten A13 vom San Bernardino herab nach Süden fliesst. Bei Bellinzona vereint sie sich mit dem Ticino.

 

Etwa auf halbem Weg zwischen Bellinzona und der ersten heftigen Steigung im Tal mit etlichen Kehren bei Mesocco, liegt Lostallo mit eigener Aus- und Auffahrt der Autobahn. Aber die nimmt das Postauto nicht - es fährt auf der alten Kantonsstrasse von Ort zu Ort.

 

Am nördlichen Dorfrand steht eine kleine Kirche und wenige Meter später treffe ich auf eine stattliche Fischzucht, in der Lachse in frischem Alpwasser aufwachsen dürfen. Nach der Häusergruppe Campagne dringt das mächtige Rauschen eines nahen Wasserfalls an mein Ohr. Gemäss Karte sind es jedoch 3 oder gar 4 stattliche Fälle des Groven und ein wunderschönes Openair-Badebecken. Dann folgt das Dörfchen Cabbiolo mit einer Reihe schmucker Häuser und einer Kirche.

 

Auf einer Art Hochwasserdamm, der die Ebene vor der wild schäumenden Moësa schützen soll, führt der Wanderweg fast unmerklich steigend an einem Elektrizitätswerk vorbei Richtung Norden. Mit wenigen Ausnahmen kurz vor den Felswänden beim Engnis Seu sieht der Wanderer von heute nichts mehr von der alten Bahnlinie, welche das Tal bis hierher erschloss. Die Nationalstrasse hat ihr den Rang längst abgelaufen. Zweimal kreuzen ich deren Trasse durch eine Unterführung, bevor ich den stotzigen Aufstieg nach Soazza in Angriff nehme.

 

Das Dorf mit nicht einmal 400 Einwohnern steht vom Talboden aus gesehen wie auf einer Kanzel, besonders die stolze Kirche thront auf ihrem Felssporn und wacht über das ganze Tal. Ich statte ihr einen kurzen Besuch ab, denn ich habe schon von der berühmten Orgel und den schönen Wandmalereien gehört.

 

 

Anschliessend schlendere ich durch das ganze Dorf und geniesse den ganz speziellen Flair, den die zum Teil sehr eng beisammen stehenden Häusern verströmen. Die Bushaltestelle liegt am nördlichen Ende bei Nadro.

Das Kastanien-Wunder

Im Tal der Moesa lebte einst ein sehr armes Weib mit seinem kranken Mann, der schon seit Tagen zu Bette lag, und ihren vier Kindern. Auch denen konnte sie nichts zu essen kochen, denn die Vorräte waren aufgebraucht, sodass sie weinend um Brot flehten.

 

Um sie zu beruhigen, sagte sie zu ihnen: „Seid still, liebe Kinder, ich will euch einen ganzen Kessel voll schöner Kastanien kochen.“ 

 

Weil sie jedoch keine hatte, tat sie heimlich mit kummervollem Herzen viele Kieselsteine in die Pfanne. Bald darauf fing das Wasser zu kochen an, so dass die Kinder sich freuten.

 

Doch in diesem Augenblick klopfte es an die schwere Türe. Die Mutter ging und öffnete, es stand ein engelsblonder Bettler mit leuchtend blauen Augen auf der Treppenstufe. Mit sanftem Blick bat er um etwas zu essen, da er Hunger hatte und seit geraumer Zeit nicht mehr gegessen.

 

„Oh, armer Mann! Von Herzen gerne würde ich Euch etwas zu beissen geben, aber ich habe selber nichts. Stellt Euch vor, ich habe, um meine hungrigen Kinder zum Schweigen zu bringen, mit einer List sogar Steine in den Topf gegeben, denn ich hatte ihnen Kastanien zu Mittag versprochen. Dabei habe ich schon seit Tagen keine mehr.“

 

„Das tut mir sehr leid, gute Frau. Ich sehe, dass Ihr ein gutes Herz habt und mir gerne etwas abgegeben hättet. Ich danke Euch, der Herr möge Euch segnen!“ Damit drehte er sich um und ging seines Weges.

 

Als die Mutter in die Küche zurück kehrte, um nach den gekochten Steinen zu sehen, war ihr Erstaunen riesengross. Der Topf war prall voll weicher Kastanien, die einen herrlichen Duft verströmten. Als sie die Teller aus dem Schrank holen wollte, um das Mahl anzurichten, entdeckte sie auf dem Gestell schöne, knusprige Brotlaibe ganz frisch gebacken und ein grosses Stück wunderschönen Speck dazu. Jetzt hoben die Mutter und alle Kinder ihre Blicke gen Himmel und dankten dem lieben Gott von Herzen für dieses holde Wunder.

 

 

Vielleicht war der blonde Bettler mit den Engelsaugen ja der liebe Gott selber, der immer mal wieder zur Erde herabsteigt, um die Menschen zu prüfen?

Routenprofil

Im Tal der A13
Enthält alle obigen Informationen
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Das Wetter auf der Route