Bedretto basso

Eckdaten

Von Airolo nach Ronco

 

Marschzeit 3h30min

 

Karte/n 1:50'000 T265

 

Kategorie: Leichte Wanderung

 

Ausrüstung: Turnschuhe genügen

Route

Dass „der Tessin“ ein Fluss ist, welcher durch „das Tessin“ fliesst, dürfte allgemein bekannt sein. Aber es ist nur die halbe Wahrheit, denn die Quelle des Tessin liegt zuhinterst im Bedretto-Tal, am Fusse des Nufenenpasses. Dieser verbindet das Tessin mit dem Wallis und diente der Tour de Suisse schon häufig als besonderer Leckerbissen - für die Zuschauer! Ein weiterer „Ausgang“ aus dem Bedretto, der Passo San Giacomo, ist jedoch nur ein bescheidener Bergweg nach Italien.

 

Ich starte diese sehr einfache Tour entlang sowohl des jungen und streckenweise wilden Flusses, als auch der Strasse, in Airolo. Durch das unübersichtliche Gewirr von Kantons- und Nationalstrassen wechsle ich die Talseite und treffe dort die Talstation der Seilbahn auf den Sasso della Boggia. Hier schwenkt der Wanderweg nach rechts und verlässt die schreckliche Welt des Betons Richtung Tamblina. Von nun an ist ist die Route unverirrbar.

 

Der Verkehrslärm auf der Talstrasse hält sich in Grenzen, und von der Passstrasse her sind nur die hochdrehenden Motoren der Bikes zu vernehmen, bevor sie im Tunnel verschwinden. Eher beruhigend wirkt da schon das Rauschen des Wassers im nahen Bach.

 

Durch den kleinen Ort Fontana mit den stattlichen Häusern in Reih und Glied sowie der niedlichen Kapelle führt der Wanderweg auf der Strasse. Das Dorf sitzt kaum zufällig etwas erhöht am sicheren Hang. Die Kraft des Wassers sowohl des Ticino als auch des Ri di Fontana ist wohl nicht zu unterschätzen. Auch in Ossasco könnte ich das Postauto für den Rückweg besteigen, aber meine Füsse möchten mich weiter tragen!

 

 

Von der anderen Talseite grüssen erst Villa Bedretto und wenig später Bedretto. Die eng zusammen gebauten Häuser sind typisch für diese Gegend und durch etliche Kunstbauten vor Hochwassern geschützt. Das gilt auch für Ronco auf einer günstig gelegenen Terrasse. Je nach Zeit bis zur nächsten Busabfahrt, gönne ich mir noch den Abstecher ins Dörfchen und seinem einzigen Gasthaus.

Festung Gotthard

Zusammen mit dem Forte Airolo zählte das Forte Ospizio San Gottardo zu den bedeutendsten Festungswerken der Schweiz während des Zweiten Weltkrieges. Das hatte natürlich einen ganz bestimmten Grund: Deutschland und Italien waren Verbündete, und es war hinlänglich bekannt, dass Hitler eine direkte Verbindung zwischen den beiden kriegsführenden Nationen suchte. Es gab fast nur zwei Möglichkeiten: Die eine führte durch die Burgunderpforte und dann über Lausanne und entlang der Rhone zum Simplon, und die andere über den Gotthard. 


Allerdings bestanden auf dem Hochplateau bei der Gotthard-Passhöhe schon seit dem 19. Jahrhundert in den Fels gehauene Schützengräben. Ebenso gehörten zu dieser Verteidigungslinie Infanteriewerke, Unterstände und Kavernen. Bis 1918 wuchs das Werk stetig, bis ein enges Netz von Gräben die Landschaft durchzog.


Im Jahre 1938 begann ein weiterer Ausbau, stellte der Pass doch eine mögliche Einfallsachse in Réduit, das Rückzugsgebiet der Schweizer Armee im Falle eines Überfalls, dar. In unmittelbarer Nähe entstanden so auch die Artilleriewerke San Carlo und Sasso da Pigna. Mit diesen konnte ein aufmarschierender Feind bereits Kilometer vor dem eigentlichen Passübergang bekämpft werden.


Nach dem Krieg liess man die Waffen ausbauen und benützte die Anlage weiterhin als Übungsobjekte. Dazu dienten auch die zwei nachträglich noch hinzu gefügten Kasernen. Das eine dieser Gebäude ist heute als sehenswertes Museum gestaltet und vermittelt einen starken Eindruck vom Denken der Armeeführung zu jener Zeit, aber auch vom Leben der Soldaten unter jahrelanger Bedrohung durch fremde Armeen. Die Aussenanlagen sind heute vollständig zugänglich und können frei besichtigt werden.


Die nicht mehr benutzten Gebäude drohten langsam zu zerfallen. Aus diesem Grunde wurden diese kulturhistorisch wichtigen Teile der Anlage gegen Ende des letzten Jahrhunderts umfänglich saniert. Die wohl eindrücklichsten Exponate dürften die 12-cm-Panzerhaubitzen darstellen.

Routenprofil

Ganz besondere Flusswanderung in eher abgelegenem Tal
Enthält alle obigen Informationen
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Das Wetter auf der Route