Bluescht

Eckdaten

Von Häggenschwil-Winden nach Steinebrunn

 

Marschzeit 2h

 

Strecke 7.6 km     auf 102 m       ab 167 m

 

Karte/n 1:50'000 217T

 

Anforderung:

Route

Wegen der ungezählten Obstplantagen und der ausgedehnten Hochstammanlagen heisst der obere Thurgau in Volksmund auch Mostindien. Sehr viele Mostereien gibt es allerdings nicht mehr, viele kleinere Betriebe waren den Anforderungen des Marktes nicht gewachsen und mussten schliessen.

 

Die Wanderung in dieser Region ist natürlich zur Blütezeit der Tausenden von Obstbäumen, also ende April bis anfangs Mai, besonders reizvoll. Dann tauchen die Blüten die Landschaft in einen weiss-rosa farbenen Schleier.

 

Wir verlassen den Zug der SOB bei der Station Häggenschwil-Winden und wandern in südlicher Richtung nach Lömmenschwil. Dort schwenken wir nach rechts und ziehen vorbei am Wäldchen Nordholz zum Breitenmooswald. Bei einer versteckten Mulde liegt eine Grillstelle, aber wir sind noch nicht hungrig.

 

In vielen Schlenkern ziehen wir, leider häufig auf asphaltierten Strässchen, in allgemein nördlicher Richtung von Gehöft zu Gehöft. Darunter treffen wir auf Ortsnamen, die man andernorts kaum kennen dürfte: Debeslehn, Ladhub, Mausacker und andere mehr.

 

Wirtschaften stehen hier nicht sehr nah beisammen, deshalb kommt uns die Biobeiz zwischen Mausacker und Waldershaus gerade zur rechten Zeit für eine kurze Pause sehr gelegen.

 

Mit uns hat auch die Bahnlinie ihren Weg durch die flache, sanft gewellte Landschaft gefunden. Aber im Unterschied zu den Zugpassagieren, können wir immer wieder innehalten, um den Bienen und anderen Insekten bei der Arbeit zuzusehen. Ohne diese gäbe es im Herbst weder Äpfel noch Most!

 

In wildem Zickzack verläuft dagegen die Kantonsgrenze zwischen St. Gallen und Thurgau. Dreimal überqueren wir sie, bis sie sich endgültig von unserer Route verabschiedet. Während sie den Agerschbach nach Norden überschreitet, schwenken wir nach rechts und nähern uns über Olmishausen unserem Tagesziel. Gleich nach der Unterführung wenden wir uns nach rechts zur Bahnstation Steinebrunn.

 

Pflichtlager Häggenschwil

In krassem Gegensatz zur wunderschönen Blütenpracht der Obstbäume stehen bei der Bahnstation Häggenschwil die gigantischen Tanks des Pflichtlagers zur wirtschaftlichen Landesversorgung an Benzin, Diesel und Heizöl und Kerosin

 

Die Kontinentalsperre von 1806 führte den eidgenössischen Behörden erstmals schmerzlich vor Augen, was es heisst, keine Baumwolle und Kolonialwaren mehr einführen zu können. Allerdings dauerte es bis zum Ersten Weltkrieg, bis sich die Schweizerische Regierung für ein System zur Sicherung von lebenswichtigen Gütern durchgerungen hatte. Als Reaktion auf die spürbare Verknappung von Brotgetreide wurde 1920 erstmals ein staatlicher Vorrat angelegt und dafür gesorgt, dass das Lagergut fortlaufend umgewälzt wurde.

 

Der Kalte Krieg tat später ein Weiteres, sodass die Vorratshaltung ausgedehnt wurde auf Waschmittel, Seife, Saatgut und weitere Konsumgüter, wie Brennstoffe. Die Sperrung des Hochrheins für die Schifffahrt wegen des Hochwassers 1999 zeigte dann schmerzlich, wie schnell sich die Versorgung an Mineralölen verschlechtern kann.

 

Aus diesem Grund stehen im ganzen Land verteilt grosse Tankanlagen, in denen Hunderttausende Kubikmeter Dieselöl und Benzin gelagert und umgeschlagen werden. Bewirtschaftet werden diese Einrichtungen von privaten Firmen, zu denen auch die Carbura gehört mit dem Lager in Häggenschwil.

 

Erdölimporteure sind in der Schweiz gesetzlich verpflichtet, solche Lager zu unterhalten, welche eine Menge von Diesel und Benzin fassen können, die dem durchschnittlichen Verbrauch von viereinhalb Monaten entspricht. Lediglich drei Monate sind es beim Kerosin, also dem Flugbenzin.

 

Die 33 Häggenschwiler Tanks mit je 22 Metern Durchmesser und 25 Metern Höhe fassen 300 Millionen Liter und gehören der St. Galler Firma Osterwalder. Es ist eines der grösseren Pflichtlager für fossile Brennstoffe, das wöchentlich durch einen Eisenbahnzug mit 20 Kesselwagen beliefert wird.

Karte: Apfel = Plantage und Baum = Streuobstwiesen, Hochstamm

 

Routenprofil

Einfache Wanderung abseits der markierten Wanderwege
Enthält alle obigen Informationen
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Das Wetter auf der Route