Jäissberg

Eckdaten

Von Gerolfingen nach Studen

 

Marschzeit 3h30min

 

Strecke 13.0 km     auf 244 m       ab 309 m

 

Karte/n 1:50'000 232T / 233T

 

Anforderung:

Route

Von Biel aus führt eine kleine Bahnlinie der Ostseite des Bielersees entlang und knüpft bei Ins an die Strecke Bern - Neuchâtel. Es ist schon fast eine Tramlinie, denn die Stationen folgen sich in wenigen hundert Metern Abstand.

 

Bei Gerolfingen verlasse ich den Zug und treffe etwas südlich von der Haltestelle auf den Wanderweg, der dort die Hauptstrasse kreuzt.  Über die Chächmatte gelange durch das Quartier der privaten Swimming Pools zum nahen Oberholz, wo ich den südlichen Weg wähle und ganz gemütlich steigend durch den Einig sowie das Gmeinehölzli zum Rücken des Hermrigewaldes wandere.

 

Bald erreiche ich die Häuser von St. Niklaus, schwenke jedoch noch vor der Strasse nach links in den Merzligenwald. Etliche spitze Kehren führen mich nach Stöckleren, einem Ortsteil von Bellmund. „Dahinter“ erwartet mich mit dem Jäissberg der nächste Hügelrücken. Dieser hält ein paar äusserst interessante historische Trouvaillen für mich parat.

 

Als erstes treffe ich auf eine mittelalterliche Fluchtburg. Sie besteht aus einem ringförmigen Erdwall mit zwei Hohlwegen, auf denen man die Chnebelburg gut geschützt erreichen konnte. Der Ort Port am Fusse des Hügels war schon in frühgeschichtlicher Zeit besiedelt.

 

Einen guten Kilometer weiter östlich stosse ich auf einen weiteren Schutzwall, den wohl die Kelten aufgeschüttet haben. Das imposante Werk ist 300 Meter lang und an der Basis knappe 20 Meter breit. Seine wichtigsten Baumaterialien sind Tuffsteine und Holzbalken. Ein vorgelagerter Graben sollte die Verteidigung erleichtern.

 

Bereits etwas tiefer liegt die römische Tempelanlage von Petinesca, die im Zusatztext noch etwas eingehender beschrieben wird und leider nur noch aus einem halben Dutzend Grundrissen besteht.

 

Der absteigende Wanderweg umgeht die ausgedehnte Kiesgrube in weitem Bogen und gelangt beim Tor von Petinesca zur Autobahn A6. Auf der gegenüberliegenden Seite finde ich auch den Bahnhof von Studen.

 

Petinesca

Nachdem die Kelten für ihre Befestigungsanlage keine Verwendung mehr hatten, errichteten die Römer an derselben Stelle eine Kleinstadt, welche vom 2. Jhrd. v. Chr. bis ins 4. Jhrd. n. Chr. das Zentrum der Region ums heutige Biel bildete. Der offenbar nicht unbedeutende Ort an der Nord-Süd- aber auch der Ost-West-Verbindung war sogar in römischen Strassenkarten verzeichnet. Er war sowohl mit Aventicum, Vindonisse als auch mit Augusta Raurica verbunden und lag erst noch nahe an der schiffbaren Aare.

 

Die Ausgrabungen, welche bereits im 19. Jhrd. gestartet wurden, förderten bisher eine Toranlage am Fusse des Hügels, Reste des Tempelbezirks, ein Handwerkerviertel, ein Gräberfeld und einige Ziehbrunnen zu Tage. Zur Toranlage zählte auch ein Strassenkastell mit Unterkünften - vielleicht für die Bewachung?

 

Für die Errichtung eines ersten Steingebäudes musste der Hang umfassend planiert werden. Der Niveauunterschied zwischen den Endpunkten betrug 4m. Die Funde stützen die Vermutung, dass ein Brand dem Mitteltrakt offenbar sehr stark zugesetzt haben dürfte.

 

Auch für den Bau der jüngeren Steingebäude mit dem Torturm waren massive Erdbewegungen erforderlich. Aus Teilen des Materials der bereits bestehenden Aussenmauern an der Talseite entstanden bis zu 3m dicke Stützmauern des Neubaus. Auf den dadurch freigelegten Fundamenten wurde ein Wasserkanal errichtet.

 

Zu dieser Anlage gehört auch die weiter oben gelegene vorrömische Wallanlage. Anfänglich umfasste dieses Werk sogar einen Markt, der lediglich mit Palisaden geschützt war.  Über dessen Ausmass ist bis heute nichts bekannt, aber von ähnlichen Anlagen weiss man, dass sie meist nur einen Teil der umwehrten Fläche ausmachten. Von Vorteil war jedoch die besondere Lage dieses Oppidums, denn die steilen Hügelflanken bildeten einen Teil des Verteidigung-Dispositivs. Die Spuren der Palisadenterrassen sind noch heute gut sichtbar.

 

Die bis zu 12m tiefen Brunnen stammen aus der Zeit zwischen dem 1. und dem 3. Jhrd. n.Chr. Sie wurden jedoch im 3. Jhrd. aufgegeben und verfüllt.

 

Routenprofil

Ein Hügel voller Historie
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Das Wetter auf der Route