Blasenflue

Eckdaten

Vom Biglen nach Signau

 

Marschzeit 3h

 

Strecke 10.2 km     auf 473 m       ab 529 m

 

Karte/n 1:50'000 243T / 244T

 

Anforderung:

Route

Biglen liegt etwa abseits der grossen Karawanen-Routen, spürt jedoch wie viele andere Gemeinden, die im Bereich wachsender Agglomerationen liegen den gewaltigen Siedlungs-Druck aus den Städten. Die Umgebung ist allerdings noch fast unberührt und die kleinen bis winzigen Siedlungen entsprechen weitgehend dem klischeehaften Bild, das man gemeinhin von der Schweiz als landwirtschaftlich geprägtem Land hat.

 

Die Wanderung startet bei der Bahnstation Biglen und führt entlang dem Fahrsträsschen in östlicher Richtung nach Rot. Vorbei an den wie zufällig in die Landschaft gestreuten Höfen zieht der Weg weiter und schwenkt bei Vorders Gfell nach rechts. Ich habe schon einige Höhenmeter gewonnen, aber die eigentliche Herausforderung beginnt erst bei Gfell, wo ich gegen den Wald hinauf steigen.

 

Die Häuser von Chrutberg lasse ich rechts liegen und erreiche den höchsten Punkt dieses Hügels im Schatten der Bäume. Fast ebenaus durchmesse ich diesen Wald in seiner ganzen Länge und geniesse die Blicke zwischen den Stämmen hindurch in das breite Tal des Biglenbaches zu meiner Linken und die niedlichen Dörfer im Tal des Zäzibaches zur Rechten.

 

Am Ende des Waldes liegt Blase. Von der Existenz dieses Weilers mit seinen etwa zwölf Häusern berichtet nicht einmal Wikipedia! Nun weist der Weg zünftig aufwärts, schier geradewegs auf den Gipfel zu. Diese Bezeichnung ist für die Blasenflue zwar etwas übertrieben, ein Gipfelbuch, in welches ich mich eintragen könnte ist jedenfalls nicht vorhanden. Dennoch ist das Gefühl erhebend, wenn es rundherum nur noch abwärts geht.

 

Von den vier Wegen, die zur Verfügung stehen, wähle ich den nach Südosten. Er führt recht stotzig hinab zur Ofenegg-Alp und weiter - nun wieder gemächlicher abwärts - über die beiden Siedlungen Rainsberg zum letzten Wegstück. Hier senkt er sich nahezu unanständig steil in etlichen Kehren meinem Tagesziel entgegen. Im langgezogenen Dorf stehen mir zur Weiter- oder Heimreise das Postauto oder die Bahn zur Verfügung.

Geschichten

Das Dorf Biglen ist kaum speziell bekannt, obwohl in dieser Region einige bemerkenswerte Personen gelebt haben, die mit ihrem Wirken nicht nur ihre nächste Umgebung beeinflusst haben dürften. Zudem trafen sich im Gasthaus Bären in Biglen im März 1943 der damalige General Guisan mit dem deutschen SS-Generalmajor Schellenberg zu geheimen  Verhandlungen über das Verhältnis der Schweiz zu Nazideutschland.

 

Seither kursieren die wildesten Mutmassungen, was genau es gewesen sein könnte, dass die Schweiz von einem Angriff der deutschen Wehrmacht verschobt geblieben ist. War es die wirtschaftliche Zusammenarbeit bei Rüstungs- und Finanzgeschäften - war es der Alpentransit - waren es die militärischen Erfolge der Alliierten oder waren es am Ende doch General Guisan mit der Schweizer Armee, die mehr als einmal betont hat, dass der „Eintrittspreis“ für die Deutschen sehr hoch ausfallen würde. Immerhin scheint es Guisan gelungen zu sein, die Entscheidungen der Nationalsozialisten wesentlich zu beeinflussen.

 

Im Gfell, dem Weiler an unserer Route, wohnte einst Dällebach Kari und besuchte in Arni die Primarschule. Nachdem er in Worb - ganz in der Nähe - eine Coiffeurlehre abgeschlossen hatte, zog es ihn weg aus der Gegend. So weilte er in Murten und in Couvet, im Val de Travers. Ab 1896 lebte und arbeitete er in Bern. Überall wurde er wegen seiner angeborenen Hasenscharte belacht und gemobbt und seine Liebe zur Fabrikantentochter Annemarie Geiser scheiterte an deren Eltern, die sich nicht vorstellen konnten, einen Krüppel als Schwiegersohn zu haben.

 

Nach zwei erfolglosen Krebsoperationen nahm er sich durch einen Sprung von der Kornhausbrücke in die Aare das Leben.

 

Ebenfalls fast an unserem Weg liegt der Hof Habchegg oder laut Karte Habchit. Dies war Geburts- und Wohnort des späteren Wunderdoktors Michael Schüppach - auch Michel oder Micheli gerufen. In Langnau wurde er zum berühmten Landarzt, den Herrschaften aus den höchsten Kreisen Deutschlands, Frankreichs, Englands, Polens und natürlich aus der Schweiz aufsuchten. Auch Goethe sprach 1779 mit Herzog Karl August beim Schärer-Micheli vor (Zitat aus hist. Unterlagen).

 

Er betätigte sich in der Tradition der damaligen Wundärzte auch Bader oder Schärer genannt. Diese erlernten ihre Fähigkeiten als Heiler in einer handwerklichen Lehre, die der späteren akademischen Ausbildung, wenigstens anfänglich, durchaus ebenbürtig war. 1747 wurde Michel Schüppach von der Chirurgischen Sozietät der Stadt Bern zum „Kunsterfahrenen Midicinae et Chirurgae Practico ernannt“.

Routenprofil

In der Heimat bedeutender Persönlichkeiten
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Das Wetter auf der Route